Siehe, ich mache alles neu!

Das vergangene Jahr hat viele Änderungen gebracht, das neue bestimmt bald auch – nur wissen wir noch nicht welche. Die Jahreslosung 2026 behält auf jeden Fall recht: Jedes Jahr, jede Stunde, jede Minute wird alles neu, auch das, was immer schon da war. Auch wir sind morgen nicht mehr die gleichen wie gestern, alles ist im Fluss, aus dem wir stets anders entsteigen als wie wir ihn bestiegen haben.
Januaraugabe.

Diese Gedanken gehören zum griechischen Philosophen Heraklit, und der hätte sicher nicht ungerne mit dem Prediger Salomo gestritten, der die These vertrat, alles sei immer schon dagewesen, es gebe «nichts Neues unter der Sonne» (ja, das ist ein Bibelzitat: Pred 1, 9). Nur lebte der Prediger 300 Jahre nach Heraklit. Im Gegensatz zu diesem zog der Prediger die Konsequenz, man solle das Leben geniessen, wenn man schon nichts verändern könne, während Heraklit an das tatkräftige Handeln glaubte und den Krieg als «Vater aller Dinge» bezeichnete. Und wir? Wem neigen wir mehr zu?

Halten wir an der Schwelle zum neuen Jahr inne und schauen zurück, was sich in der Kirche verändert hat: Walperswil-Bühl ist zwar noch autonome Kirchgemeinde, aber seit einem Jahr nun Teil der Kirche32. Ueli Bukies ist pensioniert und – im Gegensatz zu geflügelten Mitbewohnern – ausgezogen. Er ist nicht mehr Walperswiler Pfarrer; einen solchen gibt es auch gar nicht mehr bzw. es gibt nun deren drei, und jeder ist auch für Bargen und Kallnach-Niederried tätig. Der in Walperswil sichtbarste ist zweifellos Dominik von Allmen, weil er seit letztem Sommer mit seiner Familie das Pfarrhaus bewohnt.

Kirche32 ist nicht fertig geschrieben. Die Konsolidierung geht sicher weiter, der Personalpool kann noch durchlässiger und flexibler werden und Synergien noch mehr genutzt werden, um den Spareffekt zu erzielen, den man mit dem Kirchgemeindeverband unter anderem bezwecken wollte. Sollten wir dieser Entwicklung im Sinne Heraklits aktiv Vorschub leisten? Oder gemäss dem Prediger Salomo einfach alles sich selber überlassen?

Auch sind Dominik von Allmen und ich bald ein Jahr hier im Amt und haben fast alles schon einmal erlebt und mitgemacht, so dass die Zeit kommt, da und dort vor-, um- und weitsichtig Neuerungen anzugehen.

A propos Personalpool: Ab Sommer 2026 sollte die dritte Kirche32-Pfarrstelle wieder besetzt sein. Bis dahin wird (ab sofort) Ueli Bukies in die Bresche springen – es geschieht also doch nichts Neues unter der Sonne! Oder doch? Auch Heraklit hat recht: Ueli kann natürlich nicht in sein dörfliches Amt von einst zurückkehren, sondern vor allem Gottesdienste und Amtswochen für alle drei Kirchgemeinden übernehmen. Ihm ist das angenehm, uns vom Pfarrteam auch.

In der Hoffnung auf viel gutes Neues in Ihrem Leben wünschen wir Ihnen eingesegnetes neues Jahr!

Autor: Jürg Kägi, Pfarrer Kirche32