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Bereitgestellt: 25.09.2025
Gedanken zum eidgenössischen Bettag
Beten für die "Landeswohlfahrt"?
Beten ist gewöhnlich keine öffentliche Angelegenheit. Zwar betet gut die Hälfte der Schweizer Bevölkerung laut aktuellen Umfragen regelmässig. Aber für die meisten spielt sich das wahrscheinlich im Verborgenen ab. Eigentlich ganz wie Jesus es empfahl: «Wenn du beten willst, dann geh in dein Zimmer, schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist» (Mt 6,6).
Das reformierte Christentum ist erst recht zurückhaltend, wenn es darum geht, die eigene Glaubenspraxis öffentlich zu zeigen. Umso erstaunlicher ist es, dass es bis heute den eidgenössischen Dank-, Bussund Bettag gibt. Und das nicht etwa, weil er ein wichtiger kirchlicher Feiertag wie Weihnachten oder Ostern ist. Der Bettag wurde 1832 von der eidgenössischen Tagsatzung eingeführt und auf den dritten Sonntag im September gelegt.
Der Staat wollte, dass in den Kirchen an diesem Tag für das Gemeinwohl gebetet wird. Die kantonalen Regierungen veröffentlichten jeweils sogenannte Bettagsmandate. Darin kommentierten sie aktuelle geistige, soziale, aber auch politische und wirtschaftliche Themen.
Gottfried Keller, der heute vor allem als Schriftsteller berühmt ist, war zu jener Zeit Staatsschreiber des Kantons Zürich. In dieser Stellung hatte er auch die Bettagsmandate zu schreiben. 1872 nahm er den Bettag zum Anlass, um daran zu erinnern, dass die «Landeswohlfahrt» nicht vom Himmel falle. Vor Gott, «dem Erhalter der Welt», seien nämlich alle Völker gleich und keines besonders auserwählt. Das Wohl und der Fortschritt eines Landes hänge vielmehr davon ab, dass für alle die gleichen Gesetze gelten – und dass diese Gesetze «lebensfähige Gesetze» seien. Das wiederum erfordere ständige Arbeit: «Trachten wir daher fort und fort, unser Leben zu erneuern, und erflehen wir vom Allerhöchsten hiezu die Kraft!»
Für Keller war der Bettag offenbar eine Gelegenheit, sich als Volk in Demut zu üben. Wer betet, anerkennt: Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass es dem Land, in dem man lebt, gut geht. Für die «Landeswohlfahrt » müssen alle anpacken. Und wenn diese Arbeit Früchte trägt, ist das kein Grund zur Selbstzufriedenheit, sondern zum Danken.
Im Grund fasste Keller damit etwas zusammen, was der Prophet Jeremia bereits über 2000 Jahre zuvor seinen israelitischen Volksleuten ans Herz gelegt hat. Die Menschen, die Jeremia anspricht, befinden sich notabene nicht einmal in ihrem Heimatland, sondern waren von König Nebukadnezar nach Babylon verschleppt worden. Jeremia schreibt ihnen: «Und sucht das Wohl der Stadt, in die ich euch in die Verbannung geführt habe, und betet für sie zum HERRN, denn in ihrem Wohl wird euer Wohl liegen.» (Jer 29,7)
Sowohl bei Gottfried Keller als auch bei Jeremia geht Beten und Arbeiten für das Gemeinwohl Hand in Hand. So gesehen ist Beten doch eine öffentliche Angelegenheit. Mag es auch im Verborgenen stattfinden – oder am eidgenössischen Bettag in der Kirche.
Dominik von Allmen-Mäder, Pfarrer
Der Gottesdienst zum Dank-, Buss- und Bettag findet statt am So, 21. September 2025 um 10.00 in der Kirche Bargen
Das reformierte Christentum ist erst recht zurückhaltend, wenn es darum geht, die eigene Glaubenspraxis öffentlich zu zeigen. Umso erstaunlicher ist es, dass es bis heute den eidgenössischen Dank-, Bussund Bettag gibt. Und das nicht etwa, weil er ein wichtiger kirchlicher Feiertag wie Weihnachten oder Ostern ist. Der Bettag wurde 1832 von der eidgenössischen Tagsatzung eingeführt und auf den dritten Sonntag im September gelegt.
Der Staat wollte, dass in den Kirchen an diesem Tag für das Gemeinwohl gebetet wird. Die kantonalen Regierungen veröffentlichten jeweils sogenannte Bettagsmandate. Darin kommentierten sie aktuelle geistige, soziale, aber auch politische und wirtschaftliche Themen.
Gottfried Keller, der heute vor allem als Schriftsteller berühmt ist, war zu jener Zeit Staatsschreiber des Kantons Zürich. In dieser Stellung hatte er auch die Bettagsmandate zu schreiben. 1872 nahm er den Bettag zum Anlass, um daran zu erinnern, dass die «Landeswohlfahrt» nicht vom Himmel falle. Vor Gott, «dem Erhalter der Welt», seien nämlich alle Völker gleich und keines besonders auserwählt. Das Wohl und der Fortschritt eines Landes hänge vielmehr davon ab, dass für alle die gleichen Gesetze gelten – und dass diese Gesetze «lebensfähige Gesetze» seien. Das wiederum erfordere ständige Arbeit: «Trachten wir daher fort und fort, unser Leben zu erneuern, und erflehen wir vom Allerhöchsten hiezu die Kraft!»
Für Keller war der Bettag offenbar eine Gelegenheit, sich als Volk in Demut zu üben. Wer betet, anerkennt: Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass es dem Land, in dem man lebt, gut geht. Für die «Landeswohlfahrt » müssen alle anpacken. Und wenn diese Arbeit Früchte trägt, ist das kein Grund zur Selbstzufriedenheit, sondern zum Danken.
Im Grund fasste Keller damit etwas zusammen, was der Prophet Jeremia bereits über 2000 Jahre zuvor seinen israelitischen Volksleuten ans Herz gelegt hat. Die Menschen, die Jeremia anspricht, befinden sich notabene nicht einmal in ihrem Heimatland, sondern waren von König Nebukadnezar nach Babylon verschleppt worden. Jeremia schreibt ihnen: «Und sucht das Wohl der Stadt, in die ich euch in die Verbannung geführt habe, und betet für sie zum HERRN, denn in ihrem Wohl wird euer Wohl liegen.» (Jer 29,7)
Sowohl bei Gottfried Keller als auch bei Jeremia geht Beten und Arbeiten für das Gemeinwohl Hand in Hand. So gesehen ist Beten doch eine öffentliche Angelegenheit. Mag es auch im Verborgenen stattfinden – oder am eidgenössischen Bettag in der Kirche.
Dominik von Allmen-Mäder, Pfarrer
Der Gottesdienst zum Dank-, Buss- und Bettag findet statt am So, 21. September 2025 um 10.00 in der Kirche Bargen
